Im MediaPark 1 – Cinedom

Die Absicht von Bernd Eichinger war es, als er 1988 das Grundstück für den Cinedom erwarb, das Kino von dunklen Nebenstraßeneingängen und Schuhschachtelräumen unwirtlicher Kleinkinos der 70er Jahre zu befreien. Das emotionale Potential des Mediums Film in Konkurrenz zum Fernsehen sollte mit dem Cinedom ausgeschöpft und gleichzeitig durch die Architektur die Tradition des „Golden Age“ des Kinos in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wiederbelebt werden, in dem Kinotheater architektonisch signifikante Gebäude waren.

Das Grundstück für den Cinedom liegt an prädestinierter Stelle im MediaPark. Es bildet den Übergang zur angrenzenden Bebauung am Hansaring und gleichzeitig den östlichen Anker und Begrenzung des zentralen Platzes, der als offener Stadtplatz vor einem neu angelegten See liegt. Neben dem Komfort des Kinos – man sitzt in keinem Opernhaus so komfortabel und mit so viel Beinfreiheit – und der herausragenden technischen Qualität der Filmpräsentation wurden in den Komplex nicht nur die üblichen Kinokonzessionsstände, sondern verschiedenste Restaurants, Bars sowie ein multifunktionaler Theatersaal, die „Black Box“, integriert, um dem Kinobesucher ein umfassendes Rahmenprogramm zu bieten. Mit einer Kapazität von fast 3600 Besuchern pro Vorstellung ergänzt das Gebäude ideal die Nutzungen des MediaPark als modernes multifunktionales Stadtviertel.

Kernstück des Gebäudes ist die sich zum zentralen Platz öffnende, voll verglaste Rotunde, die in über 30 Meter Höhe von einer Kuppel gedeckt wird. In Glasfaseroptik wird mit über 3000 Lichtpunkten der nördliche Sternenhimmel auf dem Inneren der Kuppel nachgezeichnet. Gleichzeitig öffnet sich durch zwei der zwölf Kuppelsegmente der Blick auf den realen Kölner Himmel. Besonders bei Nacht, wenn der MediaPark zu neuem Leben erwacht, verbindet sich so das Innere des Cinedom durch die komplett verglaste Fassade mit dem zentralen Platz und der Stadt. Die Rotunde, durch die alle Besucher das Haus betreten, wird von vier unregelmäßig angeordneten verglasten Rolltreppen durchschnitten, die die oberen Kinoebenen erschließen. Die Theatersäle selbst werden über kleine Brücken betreten, vor denen man in den Foyers auf Einlass in den Film wartet. Die Kinoaußenwand davor ist mit großformatigen Reproduktionen eines Gemäldes des kanadischen Malers Phil Richards gestaltet, das das Innere eines Kinosaales mit Portraits berühmter Gestalten der Kinogeschichte zeigt. So wird dem Zuschauer die Wartezeit vor Vorstellungsbeginn verkürzt und die Erwartungshaltung beim Eintritt in den Saal – man geht durch das Bild hindurch – gesteigert.

Die stets mögliche Blickbeziehung zur Rotunde erlaubt dem Besucher eine leichte Orientierung im Inneren des Komplexes. Die innere Architektursprache greift durch Material und Beleuchtung auf Studioelemente zurück. Stahl–Glas Brücken und Geländer unterstreichen den technischen Charakter. Der schimmernde Nachthimmel, regelmäßig von einer Kometenbahn durchzogen, bietet dem Besucher bewusst auch Unterhaltung durch die technischen Gebäudeelemente.

Die Fassadengestaltung folgt der Haltung in den späten Bauten Eberhard Zeidlers, der bei der Suche nach einer Antwort auf die adäquate Formsprache für ein Mediazentrum, besonders wenn es wie hier in Köln unmittelbar im Zusammenhang der historischen Stadt liegt, bewusst von der in seinen Gebäuden der 1970er Jahre exerzierten reinen High-Tech Architektur abwich. Im Cinedom wird z.B. durch Verwendung des lokalen Tuffsteins und Beibehaltung typischer Bebauungshöhen der örtlichen Bautradition Reminiszenz erwiesen. Damit sollte der gesamte MediaPark trotz eines erweiterten Architekturvokabulars in den historischen Kontext der Stadt Köln gestellt werden. Eberhard Zeidler versteht dies u.a. als Geste gegenüber den emotionalen Erwartungen und Bedürfnissen der Stadt und seiner Bewohner, denen sich auch ein hochmoderner Unterhaltungskomplex nicht verweigern darf. Die Geometrie der einzelnen Fassaden des Cinedoms geht in ihrer Komposition auf die dahinterliegende komplexe Gebäudestruktur ein. Die Straßen angrenzenden Flächen erhielten wo möglich im Erdgeschoss Ladennutzungen, um sie für den Fußgänger zu beleben. Die großen zur Maybachstraße gewandten Technikflächen in den Obergeschossen wurden mit Glasblocksteinen verkleidet, die hinterleuchtet sind und der Fassade eine besondere Nachtqualität geben. Das enorme Volumen des Komplexes wurde durch die differenzierte Gestaltung der Fassaden auf die jeweils angrenzende Binnensituation bezogen.